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Psychologie-Schreibtipps Part 6: Die richtige Perspektive richtig nutzen - Teil 2

Wann ist die Ich-Perspektive eigentlich besonders zu empfehlen? - Immer dann, wenn ein anderer Charakter als der Erzähler im Vordergrund stehen soll.


Im letzten Beitrag hatte ich bereits erklärt, dass ein Ich-Erzähler die Wahrnehmung des Protagonisten als eigenständigen Charakter behindert. Das kann man sich aber besonders dann zunutze machen, wenn der eigentliche Protagonist eines Buches NICHT gleichzeitig der Erzähler sein soll.


Wann kann das gut sein?


Wenn ein Ich-Erzähler die Geschichte eines anderen als Augenzeuge berichtet, wird sie besonders glaubwürdig und immersiv. Im 20. Jahrhundert handelte es sich dabei sogar um ein sehr beliebtes Stilmittel. Eines der bekanntesten Beispiele ist hierfür „Der große Gatsby“.


Als Augenzeuge tritt der Ich-Erzähler nicht nur in den Hintergrund, sondern schützt sich auch vor der Kritik des Lesers, denn da er meistens nicht der wichtigste Handlungsträger ist, sondern nur beschreibt, was er sieht und in das Verhalten des Protagonisten hineininterpretiert, bleiben bekannte Leserprobleme wie „Ich konnte mich gar nicht mit dem Hauptcharakter identifizieren!“ aus.


Und was macht die Er-/Sie-Perspektive aus? Sie besitzt gegenüber der Ich-Perspektive einen entscheidenden Vorteil:


Der Protagonist wird stärker als eigenständiger Charakter wahrgenommen, weil die Pronomen der dritten Person eine komfortable kognitive Distanz für den Leser schaffen. Auch erleichtert diese Perspektive die Arbeit mit unterschiedlichen Perspektiven innerhalb einer Geschichte. Selbstverständlich kann ein Buch mit wechselnden Perspektiven auch in der ersten Person geschrieben werden, aber diese Schreibart erschwert es dem Leser sich zu erinnern, in wessen Perspektive er gerade steckt, weil für ihn „ich“ immer nur „ich“ ist.


Diese kleine zusätzliche Distanz der Er-/Sie-Perspektive erhöht das Identifikationspotenzial mit einem Charakter und damit auch den potenziellen Erfolg eines Buches.


Du glaubst mir nicht?


Mach selbst den Test: Zu jedem beliebigen Zeitpunkt wird die Bestsellerliste überwiegend aus Büchern bestehen, die in der Er-/Sie-Perspektive verfasst worden sind. Das gilt besonders für das Genre Fantasy, denn der Leser akzeptiert die Geschichte dadurch eher als von der eigenen Person losgelöst und lässt den Charakteren und der Welt mehr Raum, sich zu entfalten.


Allerdings gibt es hier eine Ausnahme: Romantasy


Fantasy ist erfolgreicher in der Er-/Sie-Perspektive - das gilt allerdings nicht für Romantasy.


Romantasy ist, wie der Name schon verrät, Romance plus Fantasy.


Wenn eine Liebesgeschichte der Haupt-Handlungstreiber einer Story ist, ist der Autor besser damit beraten, aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Denn ein Leser, der in einer Liebesgeschichte versinken möchte, will genau das: versinken. Der Protagonist steht nicht als eigener Charakter im Vordergrund, sondern ist nur der Stellvertreter, durch den der Leser Gefühle von Verliebtheit erfahren möchte. Zusätzliche Distanz durch die Er-/Sie-Perspektive würde dem entgegenwirken.


Das soll erst einmal als kleiner Überblick zu den Erzählperspektiven reichen. Im nächsten Blogbeitrag geht es weiter mit dem Thema: Plotten, und warum das tatsächlich sinnvoll ist.


Alles Flauschige und viel Glitzer,


Vinachia 💖

6 Kommentare


Lamonica
Lamonica
vor 7 Tagen

Wow, dieser Beitrag ist wirklich klasse! Ich muss sagen, das ist einer der besten Artikel, die ich hier in letzter Zeit gelesen habe, und das will schon etwas heißen. Besonders der Punkt, wie man die richtige Perspektive einnimmt, hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Wenn ich darüber nachdenke, stimme ich da voll und ganz zu. Es ist so leicht, sich in seinen eigenen Gedanken zu verlieren und die Dinge nur aus einem Blickwinkel zu sehen https://simsinos-de.de/ Ich hatte da neulich eine ähnliche Erfahrung mit einem Projekt, bei dem ich einfach nicht weiterkam. Erst als ich versucht habe, die Situation aus der Sicht eines Freundes zu betrachten, ist mir die Lösung eingefallen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, mal…

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Jenette
Jenette
vor 7 Tagen

Absolut faszinierend, was Sie hier wieder mal auf den Tisch legen! Diese Analyse zur Perspektive im Schreiben ist wirklich Gold wert und ich finde, sie lohnt sich definitiv, weiter erforscht zu werden. Ehrlich gesagt, hat mich das stark an meine eigenen Versuche erinnert, psychologische Konzepte in meine Texte zu integrieren. Es ist gar nicht so einfach, die richtige Balance zu finden, oder? Ich würde mich riesig über einen Folgeartikel freuen, der vielleicht noch tiefer in die praktischen Aspekte eintaucht https://rollingslots1.de Wie genau setzt man diese Erkenntnisse am besten um. Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt. Gerade bei den "Psychologie-Schreibtipps Part" stelle ich mir oft die Frage: Wo fange ich am besten an, wenn ich das Gelernte in…

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Shila
Shila
vor 7 Tagen

Vielen Dank für diesen wirklich aufschlussreichen Beitrag! Ich habe heute definitiv wieder etwas gelernt, und ich muss sagen, das hast du super gemacht. Genau so ist es mir nämlich auch mit dem Thema Perspektive gegangen, gerade im Zusammenhang mit psychologischen Schreibansätzen. Am Anfang, als ich mich damit beschäftigt habe, bin ich da auch gehörig gescheitert. Man denkt, man hat es verstanden, aber dann merkt man, dass es doch viel nuancierter ist, als man zunächst annimmt. Ich frage mich ehrlich, ob es auch Nachteile bei der Anwendung dieser psychologischen Schreibtipps gibt, wenn man sie nicht ganz versteht oder falsch einsetzt? Oder ist das einfach Teil des Lernprozesses. Hier hast du das Thema jedenfalls wirklich ordentlich und nachvollziehbar behandelt, das muss ich…


betonred

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Cassedy Garcia
Cassedy Garcia
vor 7 Tagen

This was an enjoyable read https://en.wikipedia.org/wiki/Digital_marketing You've managed to explain a complex topic in a clear and engaging way. I'll share this with friends who might find it useful too.


test image

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Sydney
Sydney
2. Apr.

Absolut faszinierend, was ihr hier wieder auf die Beine gestellt habt! Dieser Teil über die Perspektive hat mir persönlich echt die Augen geöffnet. Ich kenne einige Leute, die sich für solche Einblicke in die menschliche Psyche interessieren, und ich werde diesen Beitrag definitiv weiterempfehlen. Es ist so wertvoll, wenn man lernt, wie man die eigene Sichtweise bewusst steuern kann, um Herausforderungen besser zu meistern. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich mich völlig festgefahren fühlte, und erst als ich anfing, die Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, ergaben sich plötzlich Lösungswege. Das ist genau die Art von praktischem Nutzen, die eure Beiträge so auszeichnen. Eure Ausführungen sind immer so gut recherchiert, das verdient wirklich Respekt. Ich bin…


betonred

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