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Psychologie-Schreibtipps - Part 2: Der erste Eindruck - Das Cover

Im englischsprachigen Raum existiert die passende Floskel: „Don’t judge a book by its cover.“ (dt.: Beurteile ein Buch nicht nach seinem Cover.)


Auch wenn dieser Hinweis gut und wichtig ist, so sind wir dennoch machtlos gegen die Anziehungskraft eines guten Covers. Denn 90% unserer Wahrnehmung werden vom visuellen Eindruck bestimmt. Somit sind wir Menschen visuelle Wesen und einzig die Wirkung des Covers wird darüber entscheiden, ob ein potenzieller Leser unser Buch eher interessant oder uninteressant einschätzt und sich dementsprechend dem Klappentext oder gar einer Leseprobe zuwendet.

Dieser Eindruck „interessant“ oder „uninteressant“ entsteht im Bruchteil einer Sekunde und wird vom Leser unbewusst produziert.

Im ersten Teil dieser Blogreihe schrieb ich über die emotionalen Erwartungen eines Lesers an verschiedene Genres. Diese emotionalen Erwartungen sind in unserer „Sehgewohnheit“ an verschiedene optische Hinweisreize geknüpft. Die psychologischen Hintergründe führen hier zu weit, aber wir können bereits hilfreiche Erkenntnisse aus aktuellen Verlags-Coverrn ziehen. Denn Verlage sind sich dieser Wirkung sehr gut bewusst.

Schauen wir doch mal in ein paar „Genreregale“.

1.) Thriller


Typische Thriller-Merkmale:


Haupt-Farbpaletten: Graustufen / Weiß / Schwarz

Highlights: Rot / Orange / Gelb

Schriftarten: Fett / Serifenlos

Motive: Zahlen / einzelne Gegenstände / Türen / Treppen / Tunnel

/ Menschen von hinten / karge Landschaften


Thriller sollen bedrohlich wirken. Große Zahlen erzeugen ein Gefühl von Druck oder Stress, Charaktere von Hinten, Türen und Tunnel suggerieren Verfolgung oder Beklemmung. Rot ist natürlich mit der Farbe des Blutes assoziiert. Graustufen stehen für Hoffnungslosigkeit, teilweise für Verfall. Gelb ist die Farbe von Neid und Missgunst. Die oft sehr große und fette Schrift der Titel soll zusätzlich eine Bedrohung suggerieren.


2.) Romanze



Typische Romanzen-Merkmale:


Haupt-Farbpaletten: Pastell-Farbverläufe (YA) und Schwarz/Dunkelblau/-rot (Dark)

Highlights: Weiß (YA) und Gold oder eine andere knallige Farbe (Dark)

Schriftarten: Kombination von serifenlos, dünn & Schreibschrift (YA) und Serifenschriften in GROßSCHREIBUNG mit Schreibschrift-Akzenten (Dark)

Motive: Blumen / Pflanzenteile / Bokeh / Pinselstriche (YA) und „Gefährliche Objekte“, kombiniert mit Glitzer und luxuriösen Mustern, Männer (oft stereotypische „Alphas“, je nach Story)


Hier stehen sich zwei Welten von Liebe gegenüber: Die positiv idealistische und die negativ gefährliche. Die Pastellverläufe suggerieren dieses Bild von Freude und Leichtigkeit, von "auf Wolke 7 tanzen". Dark Romance kombiniert eher Elemente aus Fantasy oder Erotik mit den typischen oben bereits erläuterten Thriller-Elementen.


3.) Frauenroman


Typische Frauenroman-Merkmale:


Abhängig vom Subgenre. Die häufigsten sind: Historisch, Liebesroman (weibliche Protagonisten sind hier häufig älter als bei Romanzen) und Love & Landscape.


Farblich tendenziell im hellen Bereich, aber ohne konkrete Farbpräferenz

Motive:

Historisch: Frauenfigur auf dem Cover, häufig warmer Filter oder weniger Sättigung, um ein „altes Bild“ zu imitieren und dann in der Regel kulturelle/zeitliche Merkmale des Settings im Hintergrund. Zurückhaltende Serifenschrift.

Liebesroman: verspielte Schrift, knallige Farben

Love & Landscape: romantische Landschaften


4.) Fantasy



Typische Fantasy-Merkmale:


Existieren nicht. Tendenziell müssen Cover "nur" den Anschein von etwas Übernatürlichem/Magischem erwecken. WIE dies im Fantasygenre transportiert wird, hängt stärker als in jedem anderen Genre von der aktuellen Mode ab.

Teilweise bedient sich das Genre an anderen Genres, um zum Beispiel bestimmte Schwerpunkte der Story zu transportieren, z.B. „Romantasy“ oder „Krimi-Fantasy“. Tendenziell ist damit der Anspruch an Fantasy-Cover besonders hoch, da kein „Schema F“ existiert.


Bedenke allgemein, dass es bei den Cover-/Sehgewohnheiten teilweise große interkulturelle Unterschiede gibt. Beispielsweise funktioniert manch ein englisches Cover auf dem deutschen Markt nicht.


Prinzipiell lässt sich endlos über das Design von Buchcovern reden, aber hier gebe ich dir drei Daumenregeln, die dir schon beim Konzipieren deines eigenen Covers helfen, und dafür sorgen, dass es keine Katastrophe wird:


1.) Halte dich an die groben Farben / Merkmale deines Genres. (siehe oben)

2.) Wähle gut lesbare, klare Schriften. Mach einfach den Test beim Designen: Kann ich den Titel im Vorbeigehen am Bildschirm gut lesen, ohne mich anstrengen zu müssen? Wenn ich 5 Meter weggehe, ist der Titel auch dann noch leicht erkennbar?

3.) Beachte den „Goldenen Schnitt“ und unsichtbare Linien, die die Betrachtungsrichtung von Lesern lenken (aka Bildkomposition).

Sollte dein Genre jetzt nicht dabei gewesen sein, erstelle dir eine Collage aus Verlags-Covern deines Genres, die dich am meisten ansprechen, und versuche, daraus deren Gemeinsamkeiten abzuleiten.


Soviel zu den Covern als kleine Einleitung.

In ein paar Wochen gehts dann weiter mit dem Thema Klappentext.


Habt eine tolle Restwoche!


Vinachia


Wichtiger Hinweis: Alle Bildrechte der in diesem Beitrag gezeigten Cover liegen bei den jeweiligen Verlagen.


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